Nachhaltige Mobilität als Abenteuer

In Ihrem Gastbeitrag schreibt Tabea Harras über nachhaltiges Reisen.

Mit herausgestrecktem Daumen stehe ich am Straßenrand. In griechischen Lettern steht der Name des nächsten Etappenziels auf dem Pappschild in meiner anderen Hand. Es ist heiß. Hochsommer! Ein Auto rauscht vorbei, ein weiteres. Die nächste Fahrerin lächelt uns immerhin freundlich zu. Dann endlich bremst ein LKW und kommt mit quietschenden Reifen zum Stehen. Trotz anfänglicher Verständigungshürden sitzen wir zwei Minuten später an Bord und es geht los.

Unser Auslandssemester ist gerade vorüber und wir haben uns in den Kopf gesetzt, die Heimreise per Autostopp in Angriff zu nehmen. Sicherlich schwingt da eine gute Portion Abenteuerlust mit. Für uns aber ist es vor allem ein Selbstexperiment. Der Beweis, dass alternative Wege des Reisens funktionieren können!

Die Idee dazu wird geboren, als ich den Emissionsrechner von atmosfair entdecke. Mit wenigen Klicks verrät er mir die erschreckende Klimaauswirkung meiner letzten Flugreisen: 10.064 Kilogramm CO2 habe ich allein in den vergangenen sechs Monaten mit meiner Fliegerei in die Luft gepufft. Das ist fast fünfmal mehr als die klimaverträgliche Jahresmenge pro Person. Von den anderen Treibern meines Fußabdrucks mal ganz zu schweigen.

Eigentlich hat Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert in meinem Lebensstil. Doch aus irgendeinem Grund kamen mir nie Bedenken, wenn ich wieder einmal in freudiger Erwartung meiner nächsten Reise in den Flieger stieg.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit in unserer Alltagsmobilität aus?

Immerhin in diesem Bereich kann ich mir selbst keinen schwarzen Peter zuschieben, wenn ich – frische Abgasluft einatmend – auf meinem Drahtesel am stockenden Pendlerverkehr vorbeiradle. Gerade in Metropolen wird der motorisierte Individualverkehr in zähen Feierabend-Staus oder bei der verzweifelten Parkplatzsuche oft zum Stressfaktor für Mensch und Umwelt. Problem: Das Pendlerleben in überfüllten und verspäteten S-Bahnen und Bussen präsentiert sich nicht gerade viel einladender. City Bikes und Carsharing sind zwar inzwischen fest ins Bild vieler Städte integriert. Doch was es braucht, sind Konzepte, die die unterschiedlichen Lösungen genial miteinander kombinieren.

Im litauischen Vilnius zeigt eine Smartphone-App bereits, dass es funktionieren kann. Die Mobilitäts-App Trafi stimmt in der größten Stadt des Baltikums sämtliche Verkehrsmittel aufeinander ab. Busse, Car-Sharing-Autos, City-Bikes und Ride-Hailing-Optionen werden in Echtzeit clever miteinander kombiniert. Buchungen lassen sich direkt in der App abwickeln. So werden nicht nur die End-User bestmöglich durch den Verkehr geleitet, sondern auch der Stadtverwaltung wertvolle Daten geliefert, um die Verkehrsplanung grundlegend umzustellen. Das eigene Auto? Überflüssig!

 

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  • Über die Autorin:

    Tabea Harras

     

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